Von Hashtag-Partys und dem Kater am Morgen danach

es-ist-wieder

Das scheint aktuell der Volkssport im Twitter-Universum zu sein. Alle naselang gibt es auf Twitter eine #-Party. Warum eigentlich? In den letzten Wochen gab es viele Hashtag-Events: #Lokführerfilme #Lebenzerstört, #Zeitfür, #1Buch1Satz und #Mediengrusel. Die Hashtags dienen in erster Linie der kollektiven Selbstbespaßung der Netzgemeinde™. Martin Hoffmann ist davon genervt und wünscht sich mehr Kreativität & weniger einfallsloses Stöbern in der Mottenkiste. In seinem lesenswerten Beitrag hinterfragt er den Sinn dieser Aktionen und findet:

Social Media ist mehr als das ritualisierte Aneinanderreihen von Hashtag-Events.@MartinHoffmann

Der Ritterschlag: Die Trending Topics.

Platz eins der Deutschland Trends. Darunter machen wir es nicht! Manchmal hat man in der Tat den Eindruck, dass das eigentliche Ziel die Poleposition im Trend-Ranking ist. Quasi als virtuelles Schulterklopfen für eine gelungene Mobilisierung der eigenen Timeline. Der erste Meedia-Artikel ist dann meistens nicht mehr fern. Der Erfinder und seine Entourage werden dann gebauchpinselt: Eine warme Dusche in Form von 15 Minuten Web-Fame. Ich behaupte mit (Un-) Fug und Recht: Twitter ist wohl der einzige Ort, an dem es cool ist, unter den ersten Gästen auf einer Party zu sein.

Warum ich trotzdem gerne auf #-Partys gehe

Das ist keineswegs Kollegenschelte. Ich bekenne mich offen: Ich mag #-Partys. Sie sind kurzweilig, sie beflügeln die Fantasie und sind im Regelfall auch harmlos. Mit großem Eifer und in bester Gesellschaft habe ich mit Anna @Textautomat und Jessica @Pseudonymphe den Halloween-Spaß #Mediengrusel angestoßen. Die Resonanz war beeindruckend, wie man auch in diesem Storify von Christian Mutter sehen kann. Innerhalb kürzester Zeit gab es über 8000 Tweets zum Thema:

Topsy #-Analyse

Topsy #-Analyse für #Lokführerfilme #1Buch1Satz #Mediengrusel

Meine MitstreiterInnen und ich bestaunten das Spektakel ungläubig. Der spontane Schabernack bescherte uns und vielen anderen viele vergnügliche Momente (und ein paar formidable Kostümideen). Auch wenn der Anlass für die Kostümparty eigentlich nicht so lustig war:

Mit einer Portion Humor werden wohl auch die ernüchternden Neuigkeiten aus der Branche erträglicher. Bei aller berechtigten Kritik an diesen Events möchte ich also grundsätzlich eine Lanze für die #-Party brechen. Gemeinsame #s schaffen einen wohlig warmen Sinn von virtueller Community. Sie sind das konspirative Augenzwinkern innerhalb der Netzgemeinde™Sie verbinden uns und ermöglichen es uns, die Gegenwart auf unterschiedlichste Weise zu sortieren und zu kommentieren- mal ernsthaft, mal schmunzelnd, mal besorgt, mal ironisch und auch mal hämisch. Erlaubt ist dabei, was gefällt, informiert, unterhält und niemanden in unzumutbarer Form persönlich angreift oder entwürdigt. Gleichzeitig räume ich auch ein, dass man es nicht überstrapazieren sollte. Weil es sonst irgendwann alle anödet.

Offizielle Accounts sollten anders über ihre #s nachdenken

Im Gegensatz zu privat betriebenen Accounts haben v.a. offizielle Nachrichten- bzw. Medienaccounts eine andere Ausgangslage. Hinter jeder #-Idee steckt im Idealfall ein konkretes Ziel. Die Macher sollten sich also vor einer eigenen #-Aktion fragen, was sie eigentlich damit bezwecken wollen (außer ein paar virtuelle Streicheleinheiten in Form von Favorisierungen und Retweets einzuheimsen). Das darf der geneigte Follower von ihnen schon erwarten. Der Anspruch ist nämlich ein anderer. Schnöde Wiederholungen entgehen dem geschulten Follower-Blick (in diesem Fall dem von Hoffmann) nämlich nicht.

Bildrechte: Screenshot/ Martin Hoffmann/ mrtnh.de.

Bildrechte: Screenshot/ Martin Hoffmann/ mrtnh.de.

Im Idealfall geht das Kommunikationsziel also über ein bloßes Bespaßen und Beschäftigen der Community hinaus. Wer sein Geschäft mit Nachrichten macht und Relevanz für sich reklamiert, sollte diese auch bei Twitter nicht leichtfertig mit Beschäftigungsmaßnahmen für die Followerschaft aufs Spiel setzen. Letztere könnte sich im Zweifel irgendwann gelangweilt und entnervt abwenden. Das heißt für mich keineswegs, dass offizielle Accounts keinen Schabernack treiben sollen oder sich nicht an #-Aktionen anderer Accounts beteiligen sollten. Es ist eher ein Pladöyer dafür, das eigene Verhalten auch mal selbstkritisch zu reflektieren. Und mal darüber nachzudenken, was man den Followern mit neuen Formaten und Ideen bieten könnte, wie Martin Hoffmann anregt.

Die #-Party als harmlose Gegenwartsbewältigung der Filterbubble

Wir halten fest: Viele Aktionen dienen der bloßen Selbstbespaßung. Sie sind der wandelnde Insider Joke in Rautenform. Das ist an sich relativ harmlos. Das Schöne an Twitter ist ja auch, dass es irgendwie auch von selbst reguliert. Unrat und nervtötender Kram versenden sich und verschwinden irgendwann von allein wieder in der Versenkung.

Kleine Randnotiz

Aus aktuellem Anlass habe ich Jimmy Kimmel und Justin Timberlake aus der YouTube-Mottenkiste geholt. Enjoy!

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